Veranstaltungen

Was sind Gene­ri­ka wert?

Es steht außer Fra­ge, dass Gene­ri­ka auf­grund ihrer güns­ti­gen Prei­se die Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben der Kran­ken­kas­sen ent­las­ten. Doch ihr Nut­zen geht weit über die­sen finan­zi­el­len Aspekt hin­aus. Gene­ri­ka ermög­li­chen mehr Pati­en­ten den Zugang zu moder­nen sowie hoch effi­zi­en­ten Medi­ka­men­ten und ver­bes­sern damit die Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie erheb­lich. Dies belegt die aktu­el­le Stu­die „Value of Gene­ric Medi­ci­nes“, die das Ber­li­ner IGES Insti­tut im Auf­trag des euro­päi­schen Gene­ri­ka­ver­ban­des EGA durchführte.

Am 2. Dezem­ber 2015 stell­te IGES-Geschäfts­füh­rer Dr. Mar­tin Albrecht deren wich­tigs­te Ergeb­nis­se beim 14. Ber­li­ner Dia­log am Mit­tag vor. Bemer­kens­wert ist unter ande­rem, dass die Gene­ri­ka-Markt­durch­drin­gung in Deutsch­land mit rund 76 Pro­zent die höchs­te von allen unter­such­ten Län­dern ist.

Dr. Mar­tin Albrecht, IGES

Dem­zu­fol­ge kann das deut­sche Gesund­heits­sys­tem auch am meis­ten spa­ren. Denn gemes­sen am Abga­be­preis der Her­stel­ler wen­den sie für drei Vier­tel der ver­ord­ne­ten Arz­nei­mit­tel nur rund zehn Pro­zent ihrer rea­len Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben auf.

Gene­ri­ka ver­bes­sern die Therapiequalität

Davon pro­fi­tie­ren auch und vor allem die Pati­en­ten. Bei den drei gro­ßen Indi­ka­ti­ons­ge­bie­ten Blut­hoch­druck, Brust­krebs und Depres­si­on wur­den laut Stu­die nach Patent­ab­lauf erheb­lich mehr Pati­en­ten mit moder­nen aber preis­wer­ten Medi­ka­men­ten ver­sorgt. Dies führ­te zu einem deut­li­chen Rück­gang der Sterb­lich­keit, die bei­spiels­wei­se beim Schlag­an­fall um rund 50 Pro­zent redu­ziert wer­den konn­te. Gene­ri­ka, so Albrecht trü­gen ein­deu­tig zu einer bes­se­ren Gesund­heits­ver­sor­gung bei, indem sie den Pati­en­ten­zu­gang zu wirk­sa­men Arz­nei­mit­tel­be­hand­lun­gen erwei­tern und die Kos­ten­ef­fi­zi­enz medi­ka­men­tö­ser The­ra­pien erhöhen.

Ärz­te ver­trau­en bewähr­ten Wirkstoffen

Dr. med. Jür­gen Bausch, Ehren­vor­sit­zen­der der KV Hes­sen, sieht die­se Ergeb­nis­se auch durch lang­jäh­ri­ge Beob­ach­tun­gen aus dem ärzt­li­chen The­ra­pie­all­tag bestä­tigt. Erfah­rungs­ge­mäß benö­tig­ten neue Wirk­stof­fe immer eine gewis­se Zeit, bis sie ihre Effi­zi­enz in der Pra­xis so bewie­sen hät­ten, so dass die Ärz­te ihnen ver­trau­en. Hin­zu kämen die sehr hohen Kos­ten neu­er patent­ge­schütz­ter Arz­nei­mit­tel, die Medi­zi­ner auf­grund des Bud­get­drucks von der Ver­ord­nung für alle Pati­en­ten mit der jewei­li­gen Indi­ka­ti­on abhielten.

Dr. Jür­gen Bausch, KV Hessen

Nach Ende des Patent­ab­laufs wür­den die­se jedoch durch die Gene­ri­ka­kon­kur­renz dras­tisch sin­ken. Dann könn­ten die Ärz­te alle Pati­en­ten mit den nun auch in der Lang­zeit­be­ob­ach­tung bewähr­ten Medi­ka­men­ten versorgen.

Gene­ri­ka­markt droht zu dekompensieren

Den the­ra­peu­ti­schen Wert der Gene­ri­ka wür­dig­te auch Dr. Johan­nes Thor­mä­len. Die Kran­ken­kas­sen wüss­ten seit lan­gem, dass der Gene­ri­ka­nut­zen weit über den rein öko­no­mi­schen hin­aus­ge­he. Daher habe man deren Ein­satz auch bewusst geför­dert, erklär­te der Vor­stand der GWQ Ser­vicePlus AG. Dafür ern­te­te er zwar den Dank von Wolf­gang Späth – der Pro Gene­ri­ka-Vor­sit­zen­de beton­te aber, dass das funk­tio­nie­ren­de Wett­be­werbs­sys­tem, das für immer güns­ti­ge­re Prei­se sor­ge, durch den immer stär­ker wer­den­den finan­zi­el­len Druck und ins­be­son­de­re die Abwärts­spi­ra­le aus Rabatt­ver­trä­gen sowie gleich­zei­tig ste­tig sin­ken­den Fest­be­trä­gen immer mehr aus dem Lot gera­te. Wach­sen­de Kon­zen­tra­ti­on in den ein­zel­nen Wirk­stoff­märk­ten und immer wie­der auf­tre­ten­de Lie­fer­eng­päs­se sei­en mas­si­ve Warn­si­gna­le, die auf eine regel­rech­te Dekom­pen­sa­ti­on des Gene­ri­ka­mark­tes hin­deu­te­ten. Hier bräuch­te es bald­mög­lichst „regu­la­to­ri­sche Beta­blo­cker“. Mit die­ser Dia­gno­se stieß Späth auf Zustim­mung von Dr. Bausch und Dr. Albrecht.

Wolf­gang Späth (VV Pro Gene­ri­ka) und Dr. Johan­nes Thor­mäh­len (GWQ)

Poli­tik muss über den Wert der Gene­ri­ka entscheiden

Dr. Johan­nes Thor­mäh­len, GWQ

Dr. Thor­mä­len woll­te zwar nicht aus­schlie­ßen, dass aus­kömm­li­che Prei­se künf­tig zur Sta­bi­li­sie­rung des nach­hal­ti­gen Gene­ri­ka­wett­be­wer­bes und zum Erhalt von Pro­duk­ti­ons­stät­ten in Deutsch­land erfor­der­lich sein könn­ten. Dies müs­se aber die Poli­tik ent­schei­den. Aus Sicht von GWQ funk­tio­nie­re das Sys­tem der­zeit noch. Man kön­ne jedoch nicht sicher sagen, ob das im Jahr 2020 wei­ter­hin der Fall sein wird. Durch das Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot sei­en die Kran­ken­kas­sen gehal­ten, mit nahe­zu jeder sich ihnen bie­ten­den Mög­lich­keit zu sparen.

Die Poli­tik ist der­zeit mit dem Phar­ma­dia­log dabei, mög­li­che Wege aus­zu­lo­ten, um den phar­ma­zeu­ti­schen For­schungs- und Pro­duk­ti­ons­stand­ort Deutsch­land zu för­dern. Dies betrifft auch die Gene­ri­ka­in­dus­trie, die gro­ße Pro­duk­ti­ons­stät­ten in Deutsch­land unter­hält. Wolf­gang Späth erhob in die­sem Zusam­men­hang eini­ge Forderungen:

  • So sei eine sechs­mo­na­ti­ge Vor­lauf­zeit zwi­schen dem Abschluss und dem Inkraft­tre­ten von Rabatt­ver­trä­gen drin­gend not­wen­dig, um der Indus­trie die Pro­duk­ti­on der benö­tig­ten Men­gen zu ermög­li­chen und so Lie­fer­eng­päs­se „mit Ansa­ge“ zu vermeiden.
  • Zudem müs­se die Preis­spi­ra­le nach unten durch Rabatt­ver­trä­ge und gleich­zei­ti­ge Absen­kung der Fest­be­trä­ge durch­bro­chen wer­den, um Wett­be­werb zu erhalten.
  • Erfor­der­lich sei schließ­lich eine Lis­te der ver­sor­gungs­kri­ti­schen Wirk­stof­fe, für die es dann kei­ne Rabatt­ver­trä­ge geben sollte.
Wolf­gang Späth, VV Pro Generika

Spa­ren allein um der kurz­fris­ti­gen Ent­las­tung Wil­len, könn­te das Sys­tem lang­fris­tig sehr viel kos­ten. Letzt­lich müss­ten sich alle fra­gen, was Deutsch­land die Gene­ri­ka als Garant einer zuver­läs­si­gen Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung wert sind, erklär­te Späth.

02.12.2015